Die NIS2-Richtlinie verpflichtet europaweit tausende Unternehmen zu strengen Maßnahmen in Cybersicherheit, Risikomanagement und Governance. Viele Unternehmen starten die Umsetzung von NIS2 zunächst mit Tabellen, Aufgabenlisten und manuellen Abstimmungsprozessen. Für erste Übersichten funktioniert das oft gut. Mit steigender Komplexität zeigen sich jedoch schnell organisatorische Grenzen.
Excel als Einstieg: Warum viele damit beginnen
Für kleinere Umgebungen oder erste Strukturierungsphasen kann Excel durchaus sinnvoll sein. Kritisch wird es typischerweise dann, wenn Risiken, Maßnahmen, Verantwortlichkeiten, Vorfälle und Nachweise dauerhaft konsistent gepflegt und zwischen mehreren Beteiligten abgestimmt werden müssen.
Excel ist in vielen Organisationen der erste Griff, wenn es um die Strukturierung neuer Anforderungen geht. Typische Einsatzmöglichkeiten:
- Rollen und Verantwortlichkeiten: Jede Aufgabe wird einer Person oder Abteilung zugeordnet.
- Aufgabenlisten: NIS2-relevante Bereiche wie Risikomanagement, Incident Response oder Schulungen werden tabellarisch erfasst.
- Meilensteine: Deadlines und Fortschrittsstatus werden in Spalten gepflegt.
- Dokumentation: Nachweise werden in unterschiedlichen Dateien gesammelt und ergänzt.
Damit entsteht schnell ein erster Überblick – hilfreich für den Start.
Warum Excel schnell an Grenzen stößt
Die NIS2-Richtlinie verlangt jedoch mehr als eine Liste von Aufgaben. NIS2 verbindet mehrere organisatorische und technische Disziplinen miteinander. Besonders relevant sind dabei:
- Business Continuity und Resilienz
- Cyber-Risikomanagement
- Governance und Management-Verantwortung
- Incident- und Meldeprozesse
Gerade in diesen Bereichen zeigen sich die Schwächen von Excel besonders deutlich:
- Fragmentierung: Unterschiedliche Versionen in Teams führen zu Unklarheit.
- Keine Echtzeit-Transparenz: Fortschritte und Lücken werden erst sichtbar, wenn Tabellen manuell aktualisiert werden.
- Audit-Risiko: Nachweise sind verstreut, Änderungen nicht revisionssicher dokumentiert.
- Skalierungsprobleme: Mit wachsender Unternehmensgröße und mehreren Standorten wird Excel unhandlich.
- Verantwortungslücken: NIS2 macht die Geschäftsführung persönlich haftbar – eine bloße Tabellenzuweisung bietet hier keine ausreichende Sicherheit.
Besonders kritisch: Viele Unternehmen kämpfen trotz erheblicher Investitionen weiterhin mit Ressourcenengpässen, organisatorischer Komplexität und unklaren Zuständigkeiten bei der NIS2-Umsetzung. Wer in diesem Umfeld allein auf manuelle Methoden wie Excel setzt, erhöht sein Risiko deutlich.
Warum spezialisierte Lösungen unverzichtbar sind
Mit zunehmender organisatorischer Komplexität stoßen manuelle Lösungen jedoch häufig an Grenzen. In solchen Fällen helfen integrierte GRC- und ISMS-Plattformen dabei, Risiken, Maßnahmen und Nachweise strukturierter zu steuern.
Eine manuelle Steuerung mit Excel ist ein nützlicher Startpunkt, aber keine nachhaltige Strategie. NIS2 fordert unter anderem:
- Revisionssichere Risikoregister und kontinuierliche Assessments
- Nachvollziehbare Reporting-Prozesse mit strikten Fristen
- Business Impact Analysen (BIAs) und Tests zur Business Continuity
- Einbindung von Lieferketten, rechtliche Abstimmung und grenzüberschreitende Koordination
Diese Anforderungen greifen ineinander. Mit Tabellen lässt sich das nur eingeschränkt abbilden.
Der eigentliche Mehrwert integrierter Lösungen liegt weniger in einzelnen Funktionen als in der gemeinsamen Steuerbarkeit von Risiko-, Incident-, Maßnahmen- und Governance-Prozessen. Informationen müssen dadurch nicht mehrfach gepflegt werden und bleiben auch über verschiedene Disziplinen hinweg konsistent nachvollziehbar. Gerade unter NIS2 wird diese organisatorische Nachvollziehbarkeit zunehmend entscheidend – sowohl für Audits als auch im Sicherheitsvorfall selbst.
Warum NIS2 mit isolierten Listen schwierig wird
Die Herausforderung liegt unter NIS2 selten in einzelnen Maßnahmen. Kritisch wird vielmehr die Verbindung zwischen Risiken, Vorfällen, Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und Nachweisen.
Genau dort stoßen isolierte Tabellen und manuelle Pflegeprozesse häufig an Grenzen:
- Informationen werden mehrfach gepflegt,
- Zuständigkeiten bleiben uneinheitlich,
- Maßnahmen verlieren ihren Kontext,
- und Nachweise müssen aufwendig zusammengesucht werden.
Mit steigender Anzahl beteiligter Teams wächst dadurch nicht nur der Aufwand, sondern auch das Risiko organisatorischer Inkonsistenzen.
Excel als Starthilfe – aber keine Dauerlösung
Die Frage „Ist Excel eine gute Lösung für NIS2?“ lässt sich klar beantworten: Als Einstieg ja – als langfristige Strategie nein.
Excel schafft am Anfang Orientierung. Doch die Komplexität von NIS2, die persönliche Verantwortung der Geschäftsführung und die Vielzahl an Querschnittsaufgaben machen deutlich: Nur spezialisierte Softwarelösungen bieten die nötige Transparenz, Sicherheit und Skalierbarkeit, um NIS2 dauerhaft compliant umzusetzen.
In der Praxis zeigt sich deshalb zunehmend, dass Informationssicherheit, Risikomanagement, Incident-Handling und Business Continuity nicht isoliert voneinander betrieben werden sollten. Entscheidend ist eine gemeinsame Datenbasis für Prozesse, Assets, Risiken, Maßnahmen und Verantwortlichkeiten, damit Informationen konsistent genutzt und nachvollziehbar gesteuert werden können.
Unser Rat: Nutzen Sie Excel, um den Überblick zu gewinnen. Planen Sie aber frühzeitig den Umstieg auf ein professionelles System. Ziel sollte nicht nur formale Compliance sein, sondern eine organisatorisch belastbare und dauerhaft steuerbare Sicherheitsstruktur.



