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Die Zukunft der Internen Revision: KI, Risiko und strategische Partnerschaft

Veröffentlicht am: 16. September 2025

Max Mustermann

Veröffentlicht am: 16.09.2025

KI in der Revision

Interview mit Prof. Eulerich über Trends, Herausforderungen und Chancen für Revisionsabteilungen

Prof. Dr. Marc Eulerich ist Inhaber des Lehrstuhls für Interne Revision an der Universität Duisburg-Essen und Dekan der Mercator School of Management. Als Leiter des Mercator Audit & Artificial Intelligence Research Center verbindet er akademische Exzellenz mit praxisnaher Beratung in den Bereichen Corporate Governance, Interne Revision und Künstliche Intelligenz. Mit über 150 Publikationen und sieben Fachbüchern zählt er zu den prägenden Stimmen seiner Disziplin.

Prof. Eulerichs Analyse: Die Interne Revision befindet sich im Wandel vom Prüfer zum Partner. Trends wie KI, kontinuierliches Monitoring und ESG-Fokus verändern die Rolle nachhaltig. Erfolgreich sind jene Abteilungen, die Technologie intelligent nutzen, interdisziplinär arbeiten und die Sprache des Managements sprechen. Wir sprechen im Folgenden mit Prof. Eulerich über seine Analyse im Speziellen und die Zukunft der Internen Revision im Allgemeinen.

Frage: Herr Prof. Eulerich, wenn Sie auf die Entwicklung der Internen Revision in den letzten Jahren blicken: Was hat sich grundlegend verändert und welche Trends zeichnen sich aktuell besonders deutlich ab?

Eulerich:
Die wohl markanteste Veränderung ist der Wandel von einer klassischen manuellen Prüf- hin zu einer technologieoffenen Unterstützungsinstanz. Revisionsabteilungen entwickeln sich zu strategischen Partnern, die nicht nur Schwachstellen identifizieren, sondern aktiv Verbesserungsvorschläge einbringen.
Technologisch erleben wir eine Revolution: Datenanalytik, Process Mining und KI verändern die Prüfungsansätze. Besonders prägnant ist der Trend zur kontinuierlichen Überwachung – permanente Monitoring-Systeme statt punktueller „Schnappschüsse“. Gleichzeitig rücken ESG-Themen und Cybersecurity stärker in den Fokus.

Revision wird vom Prüfer zum Sparringspartner – von der Fehlersuche zur Prozessoptimierung.

Risikoorientierte Prüfungsplanung: Warum Umsetzung so schwerfällt

Frage: Die risikoorientierte Prüfungsplanung wird vielerorts angestrebt, aber nur selten konsequent umgesetzt. Wo sehen Sie die größten Stolpersteine?

Eulerich:
Das größte Hindernis ist paradoxerweise der Erfolg alter Modelle: Jahrzehntelang haben starre Prüfungszyklen funktioniert, weshalb der Paradigmenwechsel schwerfällt. Oft fehlt zudem die methodische Kompetenz für echte Risikoanalysen – Compliance-Checklisten werden fälschlicherweise mit Risikobewertungen gleichgesetzt.
Ein weiteres Problem: Risikoregister im Enterprise Risk Management sind oft zu abstrakt für operative Planung. Hier helfen datengetriebene Ansätze: Machine Learning erkennt Muster, die menschliche Analysten übersehen. Flexible Methoden wie vierteljährliche Risiko-Reviews statt starrer Jahrespläne sind der Schlüssel.

KI in der Revision: Assistent statt Ersatz

Frage: In Diskussionen rund um KI hört man oft Schlagworte wie „Effizienz“ oder „automatisierte Prüfpfade“. Wie realistisch sind solche Erwartungen?

Eulerich:
Die Erwartungen sind teilweise überzogen. Vollständige Automatisierung bleibt Zukunftsmusik – Revision ist ein Urteilsgeschäft. KI kann aber repetitive Tätigkeiten abnehmen und die Analytik massiv verstärken.
Besonders spannend sind Anomalieerkennung, automatisierte Dokumentenanalyse, Risikomonitoring in Echtzeit und prädiktive Fraud Detection. Auch Natural Language Processing und Computer Vision eröffnen neue Möglichkeiten.

Die Zukunft liegt im Hybrid-Ansatz: KI unterstützt, der Mensch entscheidet.

Erfolgsfaktor Zusammenarbeit: Revision & Fachbereiche

Frage: Was braucht es für eine effiziente Zusammenarbeit mit den Fachbereichen?

Eulerich:
Vertrauen entsteht durch Kompetenz und Augenhöhe. Revisor:innen müssen Fachbereiche verstehen, nicht nur kontrollieren. Regelmäßige Business Partnerships außerhalb von Prüfungen schaffen Nähe.
Ebenso wichtig: klare Kommunikation und Transparenz über Ziele und Fortschritte. Digitale Collaboration-Tools wie gemeinsame Dashboards unterstützen diesen Prozess. Entscheidend ist der Mindset-Wechsel: von Fehlerfokussierung hin zu Prozessoptimierung.

Governance & Sicherheit: Grenzen der KI

Frage: Welche Spannungsfelder bringt KI in der Revision mit sich?

Eulerich:
Die größte Herausforderung ist die Governance. KI-Systeme müssen nachvollziehbar sein – Black-Box-Algorithmen sind für regulierte Umfelder nicht akzeptabel.
Wir brauchen klare Frameworks, inklusive Algorithmus-Audits, Bias-Tests und regelmäßiger Validierungen. Zudem ist Datenschutz essenziell: Forschungsfelder wie Privacy-Preserving AI zeigen erste Lösungen.

Blinde Flecken in der Revisionsarbeit

Frage: Wo sehen Sie typische blinde Flecken in der Praxis?

Eulerich:
Ein zentraler Punkt ist die Organisationskultur. Sie wird selten systematisch geprüft, ist aber entscheidend für Fehlverhalten oder Resilienz.
Ebenso unterschätzt: digitale Risiken in APIs, Cloud-Services und vernetzten Prozessen. Hinzu kommen interdisziplinäre Schnittstellen, die oft unter dem Radar bleiben. Auch ESG- und Nachhaltigkeitsrisiken sind noch unterrepräsentiert.

Kompetenzen der Zukunft

Frage: Welche Skills brauchen Revisionsabteilungen künftig?

Eulerich:
An erster Stelle steht Business Acumen – das Verständnis für Geschäftsmodelle und Märkte. Hinzu kommen systemisches Denken, Kommunikations- und Change-Management-Kompetenz sowie ethische Urteilsfähigkeit in einer KI-geprägten Welt.

Die besten Analysen nützen nichts, wenn sie nicht kommuniziert und umgesetzt werden.

Ausblick: Revision als strategischer Enabler

Frage: Ihr Wunsch für die Revision der Zukunft?

Eulerich:
Ich wünsche mir den Paradigmenwechsel: Revision nicht als „Polizeifunktion“, sondern als strategischen Enabler. Mit KI nahtlos integriert, interdisziplinären Teams und einer proaktiven Rolle im Unternehmen.
Ziel ist es, echte Wertschöpfung zu leisten – nicht nur Risiken zu minimieren, sondern aktiv den Unternehmenserfolg zu fördern.

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